... vom Tierschützer zum Nervenwrack ...

Cluj, Transilvanien 11. - 14.10.2018

Irgendwann werde ich mal ein Buch schreiben ... mit dieser Überschrift.
Vor einigen Jahren in diesen Sumpf eingesaugt, machen wir uns wieder auf den Weg in unsere Stadt. Cluj, die Heimat meiner 4 eigenen Hunde, meiner 3 Pflegehunde und die von fast 100 Hunden, denen unsere Organisation Pfotenglück in diesem Jahr zu einem Leben verholfen haben!
Ich bin stolz! Gehe erhobenen Hauptes durch das Leben, meine Arbeit ... und bin aber auch so klein mit Hut.
Ja, das ist unter anderem auch mein Leben, das ist wie ich lebe, fühle, liebe. Immer wieder morgens aufstehen und weiter machen, neben Familie, Partnerschaft, Freunde und Arbeit.
Und ja, viele halten mich für durchgescheppert ... bin ich auch und stehe dazu. Mein Glück ist es eben auch, glückliche Hunde UND Besitzer zu sehen.
Ich feile meine Fingernägel während ich an der Ampel stehe und in meinem Kopf zähle ich die Leute durch, bei denen ich mich noch melden muss ... meine Freunde, Interessenten und Adoptanten, die mir von ihrem Glück schreiben.
Du hast Bekannte, denen es nicht gut geht ... Probleme, die sich ergeben haben ... und Du denkst. Du spazierst durch die Felder, telefonierst, regelst und ... hoffst. "Ist der Interessent geeignet? Läuft die Vermittlung gut?"
Du bekommst Herzklopfen, wenn Du angerufen wirst ... weil Du immer mit der Angst lebst, dass ein Hund abgehauen ist, denn vorher hast Du geredet, gemahnt und fast sogar schon gebettelt: nicht unbemerkt die Tür für z.B. den Postboten zu öffnen, nicht den Neuankömmling unbemerkt im Garten laufen zu lassen, nicht die Autotür aufzumachen, wenn der Hund nicht dementsprechend gesichert ist, ein Reifen platzt oder ein Kopfloser mitten im Jahr irgendwo einen Böller zündet, oder die Jäger ihren Trieben nachgehen.
Bis jetzt ist alles gut ausgegangen, ich vermag mir nicht vorzustellen wie es ist, wenn es mal nicht so ist.


Nun sind wir mit 3 Mitgliedern des Teams Pfotenglück wieder in "unserer" Stadt. In Transilvanien, wo unsere wunderbaren Fellnasen herkommen.
Vorfreude ... und wieder mit der noch mehr neu aufflammenden Motivation, dem Willen ... zu helfen.
Wir retten nicht alle Hunde. Aber wir würden es so gern!!!! Es wird niemals ein Ende haben, jedoch wird es in diesem Jahr für mehr als 100 Hunde ein Weihnachten im Warmen geben, vielleicht ein erstes oder ein letztes Mal.
Wir treffen unsere Freunde, von denen ein Teil der Tierschützer quasi schon zur Familie gehören ... wir freuen uns und wir weinen. So wunderbare Hunde, die einfach nur von den richtigen Menschen gesehen werden müssen, die den Mut haben, sich für einen Auslandshund zu entscheiden!
Sie lachen und unsere Herzen werden belohnt mit ihrem Lächeln mit diesen wunderbaren transilvanischen Zähnchen ...
Ich denke, dass meine Kontakte schon recht vielfältig sind ... und sie werden Gott sei Dank mehr. Derzeit befinden sich dort so viele zauberhafte Hunde und leider auch Welpen, die ein Zuhause suchen ... und es so sehr verdient haben! Die kleinen Mäuse müssen WIRKLICH sehr schnell dort raus ... bevor der Winter kommt und sie vollends kaputt gemacht werden, um die nächsten Angst- & Traumahunde von morgen zu werden.
Dieses würde wieder zu schwereren, wenn nicht sogar aussichtslosen Vermittlungen führen.
Ich hoffe es gibt Euch noch, die NICHT erwarten, dass der Hund stubenrein ist, nicht am Fahrrad läuft, oder am Anfang von Dir nichts wissen will. Die den Tieren die Zeit geben, anzukommen und sich endlich in Sicherheit fühlen zu dürfen. Manche werden vielleicht niemals die Kuschelhunde, die wir uns auf unseren Sofa wünschen ... aber, viele werden Dich mehr lieben als sich selbst.

Stell Dir mal vor, Du bist im Knast ... 1 Jahr, vielleicht sogar 3 auf 1 - 3 (!!!) m2. Im Sommer sind es 30°C, im Winter -30° C ... ohne Heizung, und dann holt Dich jemand heraus aus diesem Horror. Dann fühlst Du Dich, wenn Du stabil bist, in Deiner Pension sicher. Du hast Hundefreunde, Du kannst endlich mal rennen und spielen, bekommst regelmäßige Mahlzeiten und hast Kontakt zum Menschen. Und DANN kommt dieser Transporter mit dem Du ca. 24 Stunden durch Europa fährst, um zu dem Menschen zu kommen, der Dich ja so sehnsüchtig erwartet.
Nein, die meisten kommen NICHT schwanzwedelnd heraus. Und nein, auch wenn sie ihr Wasser trinken konnten .... Nein: sie können nicht pillern. Wahrscheinlich werden sie es IRGENDWANN tun ... wenn Du nicht dabei bist! Vielleicht auf Deinem Teppich. Sie müssen evtl. lernen, Stufen hoch und runter zu laufen, da sie so etwas noch niemals getan haben, nicht dort zu pillern wo man gerade steht, müssen lernen, das Halsband und Sicherheitsgeschirr nicht als eine Gefahr anzusehen (weil sie evtl. brutal mit einer Schlinge gefangen wurden).
All das kann ganz schnell gehen, aber auch Wochen und manchmal sogar Monate dauern.
Belohnt wirst Du mit diesem Schwanzwedeln, diesen Augen und einem unglaublich reichen Gefühl in Deinem Herzen.


Nun sind wir wieder zurück und es geht los.
2000 Bilder sortieren, etwas löschen, Anfragen bearbeiten.
Entschärfen werden wir nur die Situation, indem wir schnelle Vermittlungen schaffen. Die Welpen herauskommen, bevor sie heranwachsen, es in den Boxen zu Ärger mit vielleicht tödlich endenden Beissvorfällen kommt und sie beim nächsten Mal völlig traumatisiert in der Ecke hocken.
6 Hunde haben wir sofort aus der Ecarisaj mitgenommen und in der Pension untergebracht, einige erwachsene Hunde reserviert. Sie reisen aus, sobald Möglichkeiten in Form von Pflegeplätzen geschaffen oder sogar ein endgültiges Zuhause gefunden wurde.
Black is beautiful ... die Mäuse, die wenige wollen. In Rumänien kaum eine Chance auf Vermittlung.
Ich frage mich:
Warum sind schwarze Hunde nur so angsteinflößend??? Und hoffe weiterhin auf weitere Verbreitung und Kontaktherstellung Eurerseits, um weitere Hundeseelen suchen und vermitteln zu können!
Das Team Pfotenglück sagt schon einmal:
DANKE!

Ich bedanke mich bei meinen Teammitgliedern Martina Theiling und Astrid Schubert vom Tiergesundheitszentrum München für die Begleitung für diese viel zu kurzen, anstrengenden Tage. Wir haben viele Hunde gesehen, gestreichelt und beurteilt, haben uns mit ihren kotigen Pfoten anspringen lassen, da ihre Freude unbändig war, endlich mal einen kurzen Moment der Liebe und Streicheleinheiten zu erfahren. Und nun nötige Informationen und Bilder zu bekommen, um Interessenten diese vorstellen zu können.
Auch bei meinen Kindern und meiner Liebe Marc André, die in meiner Abwesenheit zu Hause alles gemanaged haben ... während die Hundeverrückte erneut in den Flieger stieg.
Wir sind nach Hause geflogen ... aber ein Teil von Herz und Hirn ist dort geblieben ... in diesen Boxen mit den feuchten Nasen, die uns angestupst haben.
Wir kommen wieder, sobald unser Privatleben, Geldbeutel und unsere tägliche Arbeit es zulässt.

 

Am 27.10. endet bei mir der Transport und wir würden uns sehr freuen, den Bulli vollbepackt zurückschicken zu können.
Solltet Ihr eine Futterspende, vor allem Welpenfutter, Leinen, Körbchen oder Decken für die Mäuse übrig haben ...
Meldet Euch ... wir freuen uns über alles!
Es grüßt Euch
Chrissi

... und hier seht Ihr ein Video von unserer Reise ...

© 2018 Christine Lörzer. Alle Rechte vorbehalten