Reise nach Cluj, Rumänien 2015


05.04.2015
Nach 1000 km von Prag Ankunft gestern Abend in Cluj/Rumänien.
Direkt an der Grenze schon 2 Streuner gesehen ... der eine ganz ängstlich, der andere ganz lieb. Während Marc den Kampf mit dem Vignettenkauf aufnahm, habe ich der Fellnase die ersten 2 Dosen Futter zukommen lassen. Dazu kam, dass er auch noch am Hinterlauf verletzt ist und sich nur langsam fortbewegen kann ... Ein Rumäne, der an der Grenze selbst geschnitzte Holzvasen verkaufen wollte, schaute mich schon ziemlich abwertend an ... Ich hoffe ich sehe ihn (den Hund) auf dem Rückweg nochmal ... und dann?????

 

06.04.2015
Heute durften wir unsere wunderbaren Tierschützer Lia und Alina mit Familien kennenlernen. Neben der herzlichen Gastfreundschaft mit viel Essen haben wir auch Zeit gefunden mit den Hunden und Katzen zu kuscheln. Das Auto ist nun Gott sei Dank leer, wir setzen nicht mehr bei jeder kleinen Unebenheit auf und die großartige Hündin "Faith" nahm die Gelegenheit war, sich einen Platz für die Rückfahrt zu reservieren.
Danke Ihr lieben Tierschützer und Euern Mitstreitern, dass Ihr diese tollen Hunde gerettet habt ...

 

07.04.2015
Ich bin betroffen und erschlagen von den Eindrücken des heutigen Tages. Wir waren heute in der Ecarisaj als Besucher angemeldet und durften mit unseren beiden Tierschützern hinein, um die Hunde zu füttern.

200 ... einer schöner, liebevoller und hungriger als der andere. Kleine, große ... und es war kein Problem zu den Hunden in die Kabine zu gehen. Lia und Alina sagten, dass 98 % der Hunde absolut harmlos und nicht
agressiv wären, wenn dann ist es eher die Angst, so dass sie sich dann eher zurück ziehen. Sooooooo viele ... viele seit mehr als 2 Jahren dort, teilweise dort geboren, haben trotzdem das Vertrauen zum Menschen NICHT verloren. So liebevoll, dankbar für jede Streicheleinheit ... ich bin so unendlich traurig in diesen Kabinen, die man eher Käfige nennen kann, dass ich in den 2 Stunden um meine Fassung ringen muß. Diese 2 Stunden reichen bei weitem nicht aus, all diese armen Seelen zu streicheln ... Lia, Alina und Marc sehen zu, dass sie die Tiere überhaupt alle gefüttert bekommen ... Ich habe versucht zu meinen 3 Herzenshunden, die ich seit langer Zeit auf der Seite beobachte, Kontakt aufzunehmen ... was bei so ängstlichen Hunden natürlich utopisch ist. Als die Zeit rum war und der "Laden" schließen wollte, gab es zumindest etwas, was mich aus meinem Loch etwas herausgeholt hat. Für eine zuckersüße Fellnase gab es eine Pflegestelle und wir haben sie mitnehmen
dürfen! Sie wird nun von dort aus in ihr eigenes Zuhause zu ihren Menschen vermittelt, wenn sie von ihnen gefunden wird. So wie es damals bei unserer Fara, Rosalie und der Jule war!

 

08.04.2015
Facebook fragt mich: was machst Du gerade?
Ich sitze in unserem (wunderschönen) Hotelzimmer und lasse den heutigen Tag sacken ... eigentlich brauch ich zusätzlich einen Schnaps ...
Heute waren wir mit einer Tierschützerin und Freundin von Lia in der Ecarisaj. Die Öffnungszeiten sind, fast wie gewollt, für normal Sterbliche, die arbeiten gehen, kaum zugänglich. Als wir ankommen sind die Tiere so hungrig, dass bei dem Lärm in der Halle an das Fotografieren für die Organisation "Fellchen in Not" gar nicht zu denken ist. Jetzt ist die Chance etwas zu essen zu bekommen, alle Hunde sind außer sich. Wenn die
Tierschützer nicht kommen, lassen sich ein paar Tierpfleger auch dazu herab zu füttern, wenn sie sich denn dann dazu aufraffen können. Wenn wir kommen stehen sie nun schon wieder rauchend draußen. Wir bekommen sie eigentlich nur zu sehen, wenn sie uns auffordern zu gehen. Das hier mal einer die Käfige sauber macht ... heute wird das meiner Meinung nach auch nicht mehr passieren, denn sie haben ja nun Feierabend.
Das Futter reicht nicht aus, um alle Hunde ausreichend zu füttern ... kein Hund wird satt ... und das was mich so unendlich traurig macht ist, dass fast alle nur Aufmerksamkeit möchten ... einige wollen noch nicht
einmal die Leckerlis, die ich ihnen reiche ... sie wollen einfach nur mit ... als wir all diese tollen Wesen verlassen, bricht meine Welt wieder einmal zusammen. An den Winter hier darf ich gar nicht denken ... Eigentlich brauch ich nicht nur einen Schnaps ... sondern eine ganze Flasche!

 

09.04.2015
Dienstag später Nachmittag:
Nach der Zeit im Shelter konnte ich gar nicht mehr richtig denken. Eigentlich war ich total leer ... aber wir hatten die Chance, noch Futterspenden in einem privaten Tierheim abzugeben und dort Frau Bora kennenzulernen, die unermüdlich im Einsatz für diese Tiere ist. Auf 2 Stellen betreuen sie gerettete Tiere aus der Ecarisaj und Tiere, die verletzt gefunden und aufgepäppelt wurden. Alle Tiere sind kastriert, geimpft
und gechipt. Nachdem wir den kleineren Shelter besucht hatten, fuhren wir zu dem größeren außerhalb der Stadt. Als wir den Weg durch unwegsames Gelände fahren, begleiten unsere Autos ein paar Straßenhunde, die dort leben, aber auch gefüttert werden. Sie kennen das Auto von ihr ganz genau, es ist zu niedlich wie die kleine Bande hinter ihrem Auto herläuft ...
In dem großen Shelter gibt es ein abgeschlossenes Areal, wo mehrere große Zwinger, mit Hütten für jeden Hund, abgetrennt sind. Alle Hunde freuen sich, alle Hunde sind wohlgenährt und man hat nicht den Eindruck sie wären unglücklich ... unser Empfang ist bombastisch. Und wieder haben wir zu wenig Hände, um diese wunderbaren Fellnasen alle streicheln zu können. Eine Maus hat es geschafft sich in unser Herz zu
schleichen .... sie nehmen wir direkt mit. Wir werden diese Maus, wie unsere Jule, eingewöhnen und wenn etwas Zeit vergangen ist ... eine tolle Familie für sie finden. Sie macht wieder einen Platz frei ... eine Fellnase kann nun aus der Hölle "Ecarisaj" nachrücken. So einen kleinen Lichtblick habe ich auch nun gebraucht, um mich aus diesem Loch heraus zu holen. Die Maus ist so offen ... hat keinerlei Scheu, wird heute bei Lia bleiben und morgen mit uns nach Deutschland reisen.

 

10.04.2015
Abfahrt Reise 2015
Abfahrt am Mittwoch morgen 10 Uhr in Cluj, Transilvanien ...
Im Gepäck 2 tolle Hündchen, die nun in Deutschland nach einer gewissen Eingewöhnung ein Zuhause suchen.
(Falls also jemand Interesse hat oder von jemandem hört, der sich für einen Hund aus dem Tierschutz interessiert, nach positiver Vorkontrolle und unter Schutzvertrag werden die beiden Mäuse in liebevolle Hände vermittelt).
FAZIT:
Wir verlassen reich dieses Land und diese wunderbaren Menschen, Lia Tarta und ihre Familie, Freunde und Tierschützer.
Diese Erfahrung war gut um zu verstehen ... zu verstehen, dass wir uns immer wieder für den Tierschutz einsetzen müssen, für die Menschen ... denn diese geben mehr, als sie selbst haben ... ich bin berührt von der Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde. Ich bin immer noch betroffen über die Umstände in der Ecarisaj und denke sehr viel an diese Hunde, die es ebenfalls einfach verdient haben. Herzenshunde ... mit tollem Charakter, keinem Agressionspotential und mit dem Bedürfnis nach Liebe & Zuwendung ...
Und ich möchte nicht sagen, dass jeder nun einen Hund aus dem Ausland adoptieren soll ... aber unsere persönlichen Erfahrung und Erlebnisse von anderen bestätigen, dass die Tierheime und andere Organisationen ihre Anforderungen an willige Adoptanten überdenken müssen! Sie brauchen sich nicht über volle Tierheime beschweren, wenn sie nicht bereit sind Tiere zu vermitteln. Warum sollen Rentner keinen Hund aus dem Tierheim bekommen? Weil der Mensch zu alt ist? Natürlich muss die Vorkontrolle positiv sein ... aber man muss von seiner Abhakliste auch etwas abweichen können.
Einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen, ist auch manchmal mit mehr Arbeit verbunden als ein bereits integriertes, erzogenes Tier zu übernehmen ... trotzdem ermüdet es mich nicht ... es spornt mich an. Unsere sehr ängstliche Hündin Rosalie aus Rumänien wird auch nicht mehr vermittelt ... sie ist in unserem Rudel so eingewachsen und würde eine Vermittlung nicht gut überstehen.
Fakt ist : wir kommen wieder! Wir sammeln weiter!
(Maria von Szalghary war schon wieder auf Couponjagd, Danke!)
Ihr Lieben da unten: Macht weiter so!
und Euch allen: Danke für's Interesse!

© 2018 Christine Lörzer. Alle Rechte vorbehalten